Riesling was my first love

Riesling was my first love

Wenn es um das Thema Wein geht, gibt es im Hause Deimann einen Mann, der als wahrer Connaisseur bezeichnet werden kann: Jochen Deimann. Als Sohn des Hauses wurde er in die Hotelbranche hineingeboren – heute ist er Mitglied der Geschäftsführung, erfolgreicher Hotelier, geschätzter Ansprechpartner für die Belegschaft und gleichzeitig ein Genussmensch mit einem Faible für edelste Tropfen aus erlesenen Reben.

HERR DEIMANN, SIE SIND DER WEINSPEZIALIST IM HAUSE DEIMANN?
Nun ja, sagen wir mal, ich bin der Durstigste! (lacht)

WELCHE PERSÖNLICHE LEIDENSCHAFT VERBINDET SIE MIT DEM THEMA WEIN?
Ja, da muss ich ein wenig ausholen. Nach meinen ersten Berufsjahren als Koch verschlug es mich nach Frankfurt in das renommierte Restaurant Brückenkeller. Dort wurde ich Gastronomiefachmann – und ich lernte als Sauerländer Biertrinker die Weine vom Rhein kennen. Daraus wurde schnell eine große Liebe und beim Riesling bin ich bis heute sozusagen „hängengeblieben“.

DEUTSCHE WEINE SIND IHRE LIEBLINGSWEINE?
Mein Herz schlägt nicht ausschließlich für deutsche Weine. Aber deutsche Weine sind die besten Weine der Welt. Das sage ich nicht nur so: In Sachen Weißwein ist Deutschland definitiv führend. Historisch gesehen war das nicht immer so: In der Nachkriegszeit wurden überwiegend saure Weine produziert,
um möglichst hohe Erträge zu erzielen. Über die Jahrzehnte gab es einen Wandel – heute möchte man mehr Qualität erzeugen. Das bedeutet zwar einen deutlich geringeren Ertrag, aber auch hervorragende, außergewöhnliche Weine, die so nur auf den mineralhaltigen Böden Deutschlands gewonnen werden können.

EINE WICHTIGE ROLLE SPIELEN DABEI DIE NEUEN „JUNGEN WINZER“ AUS DEUTSCHLAND …
… eine Entwicklung, die ich sehr begrüße und voll unterstütze! Mit den jungen Winzern gab es in letzter Zeit einen regelrechten Boom hin zu noch mehr Qualität. Das passt zur Mentalität der heutigen Generation: Da wird nicht mehr der günstige Wein für unter fünf Euro im Supermarkt gekauft, sondern es wird sich mit der Herkunft von Lebensmitteln beschäftigt und entsprechend guter Wein eingefordert. Junge Winzer – und ganz wichtig: junge Winzerinnen! – die sehr gut ausgebildet unter anderem von der Hochschule Geisenheim kommen, erzeugen mit einem WahnsinnsFachwissen genau diese hochqualitativen Weine

Ich stecke meine Nase gerne in die Gläser junger Winzer.

WER ZUM BEISPIEL?
Da fällt mir Gesine Roll vom Weingut Weedenborn ein. Sie steht für absolut ausgezeichneten Sauvignon Blanc, der jedes Jahr zum Top Sauvignon Blanc in Deutschland, ach, sogar der Welt gekürt wird. Das ist eine sehr ehrgeizige, aufstrebende junge Winzerin voller Schwung und frischer Ideen.

WEIN IST HEUTE NICHT NUR BESSER, SONDERN AUCH JÜNGER UND HIPPER?
Auf jeden Fall! Es gibt tolles Marketing, coole Winzer und unkomplizierte, wilde Sommeliers. Wein ist damit nicht mehr ein exklusives Getränk für die gut Betuchten, sondern schmeckt heute einer ganzen jungen Generation und Szene.

DAS KOMMT AUCH BEI IHNEN IM HOTEL GUT AN?
Unter unseren Gästen gibt es natürlich auch ältere Stammgäste, die gerne ihren traditionellen Grauburgunder aus Baden trinken. Aber es ist eine große Lust am Experimentieren spürbar, innovative Weine kommen sehr gut an – und nebenbei bemerkt: Die älteren Gäste werden heute gefühlt auch immer jünger. Wir haben hier sehr coole Siebzigjährige, die in Chucks zum Dinner kommen!

RAUM ZUM PROBIEREN UND EXPERIMENTIEREN …
… bieten zum Beispiel unsere wöchentlichen Wein-Themenabende. Außerdem haben wir häufig Besuch von namhaften Gastwinzern, mit denen wir kleine Veranstaltungen machen. Unsere Gäste lernen dann verschiedene Weine, zum Beispiel bei einem weinbegleiteten Menü, kennen.

APROPOS WEINBEGLEITUNG – WELCHEN WEIN EMPFEHLEN SIE ZU DEN GERICHTEN DER FRÜHJAHRS-/SOMMERSAISON?
Auch hier hat sich etwas verändert: Während man früher sagte, zu leichten Gerichten in der Spargelzeit dürfe es nur Silvaner geben – also so einen Blödsinn machen wir heute nicht mehr mit! (lacht) So etwas basiert meist mehr auf Marketing als auf Qualitätsbezug. Für die warmen Monate empfehle ich aber immer gerne junge Kabinett-Weine, vor allem Riesling Kabinett. Die haben eine schöne, prickelnde Säure und eine leichte Restsüße, die den Wein nicht klebrig-süß macht, sondern erfrischendsüß. Das passt gerade an einem lauen Sommerabend immer – auch ganz wunderbar eisgekühlt als Aperitif!